Montag, 26. Oktober 2015

Festival-Bericht: Female Metal Event II (2015)

English Version coming soon!

"Einer für alle und alle für einen!"

Veranstalter Ton Dekkers.
Unter diesem Motto schien das Female Metal Event in die zweite Runde zu gehen, denn selbiges wurde erneut von Ton Dekkers organisiert, der als Veranstalter einen Großteil der Verantwortung alleine trug. Die auserwählten Jungs und vor allem Mädels brachten das Effennaar in Eindhoven am 16. und 17.10.2015 erfolgreich zum Beben. 
Nicht ganz ohne das Zutun des begeisterten Publikums, das im Laufe des jeweiligen Tages immer erheblich anwuchs. So wäre es in diesem Jahr auch nicht mehr möglich gewesen, den Catwalk in der großen Halle stehen zu lassen, da selbige irgendwann komplett gefüllt war. Kein Wunder bei den großartigen Bands, die sich auf zwei Bühnen, einer großen und einer kleinen gegenseitig die Klinke in die Hand gaben (die komplette Setlist gibt es hier).



Siegfried und Clémentine (Visions of Atlantis).
Geöffnet wurden die Türen am Freitag um 17.30, das Festival um 18.00 Uhr  von Whyzdom auf der Mainstage eröffnet, den Startschuss auf der kleineren Bühne gaben Autumn ab. Generell war das Line Up so organisiert, dass es nur geringfügige Überschneidungen gab und es theoretisch möglich gewesen wäre, alle Bands durch einen alternierenden Raumwechsel zu sehen. Theoretisch, weil zur Freude der dort spielenden Bands im kleinen Saal oft so voll war, dass es keinen Einlass mehr gab. Unser Konzerttag begann mit Visions of Atlantis, die in alter Glanzbesetzung mit zwei neuen Sängern, Clémentine Delauney und Sigfried Samer, auftraten. Dabei lieferten sie einen gekonnten Dual Fronted Auftritt ab, bei dem die Protagonisten sehr gut harmonierten und auch alte Nummern die Setlist zierten. 
Cristina Scabbia (Lacuna Coil).
Nach weiteren Auftritten waren es Lacuna Coil, die als Headliner den ersten FemME-Tag im Großen Saal beschlossen. Und das mit ordentlich Power, die vor allem von Sängerin Cristina Scabbia auf das Publikum übersprang. Einerseits wegen ihres überragenden Stimmeinsatzes, andererseits wegen ihrer emotionalen Botschaft an die Zuschauer betreffs harte Zeiten und die einzig mögliche Reaktion darauf, was in einem gemeinsamen "We fear nothing!" mündete. 
Um 00.15 Uhr war der Freitag dann mit dem letzten Ton von Aria Flame abgeschlossen. 

Back to the ROOTS.
Der Samstag begann mit leichter Verspätung um kurz nach zwölf und wurde mit einem besonderen Hilghlight eröffnet: einer weiteren Ausgabe Modenschau von Ingeborg Steenhorst und ihrer Marke "I Style Stars". Dabei war das Motto der diesjährigen Kollektion "Back to the Roots" und es wurde Musik eigens für die Präsentation derselbigen geschrieben, ein besonderes Konzept mit Ökobotschaft entwickelt, das unter die Haut ging. Dabei wurden die Laufsteg-Phasen erneut von musikalischen oder tänzerischen Phasen unterbrochen, oder aber mit Live-Musik unterlegt. Unter den Interpreten waren unter anderem Laura Guldemond (Generation Lost), Monique Joosten (ex Seventh Sin) und Lisette van den Berg (u.a. Scarlet Stories, Karmaflow), die mit ihrer altnordischen Gesangsdarbietung den Höhepunkt der Show ausmachte. 
Laura, Monique und Lisette.
Lisette van den Berg (Karmaflow).
Tatsächlich betrat die Sängerin nach Abbau des Laufstegs mit einigen vorangegangenen Musiker-Kollegen erneut die Bühne in einem Steenhorst-Outfit, nämlich für den folgenden Auftritt von Karmaflow, einem Musikprojekt zu einem Videospiel, das im letzten Jahr bereits am FemME beteiligt war. Hier versammelten sich Künstler aus den verschiedensten Bands und auch Mariangela Demurtas (Tristania) hatte einen kurzen Gastauftritt. Qualitativ genauso hochwertig wie im Vorjahr, war es vor allem die Mischung aus guter Musik und gekonnten Schauspiel, das den Reiz der Show ausmachte. 

Marnix (Nymeria).
Im Laufe des Tages folgte der Wehrmutstropfen der Veranstaltung mit der Absage (Drummer verletzt) von Xandria, ausgenrechnet der Band, dessen Frontfrau das Werbegesicht des FemME 2015 war. Was am Morgen bereits von wenigen online bemerkt worden war, wurde nun vom Veranstalter vor Ort angekündigt, was einige enttäuschte Ausrufe zur Folge hatte. 
Für einen Ersatz wurde aber in Form von Nymeria gesorgt. Frontmann Marnix hatte offensichtlich weder Brüste noch ein webliches Organ, die Band brachte aber mit Keyboarderin Nathalia zumindest ein weibliches Element auf die Bühne. Für den ein oder anderen Genrefreund zu wenig, zudem war die Musik sehr hart und sicher nicht für jeden etwas. Man muss dem Veranstalter aber zu Gute halten, dass überhaupt so schnell für einen Ersatz gesorgt werden konnte und den Mut der Band belohnen, so kurzfristig bei einer Veranstaltung solchen Ausmaßes einzuspringen. 
Dianne van Giersbergen (Xandria).
Marcela und Johan (Stream Of Passion).
Wer überdies besonderes traurig über den Verlust von Xandria war, hatte zumindest die Möglichkeit, Sängerin Dianne van Giersbergen an beiden Tagen bei der Präsentation ihrer eigenen Schmuckkollektion zu treffen, die sie größtenteils selbst an die Frau brachte: Wunderschöne Einzelstücke aus teilweise alten Gitarrenteilen zu einemüberraschend geringen Preis!
Zu einer durch den Ausfall besseren Spielzeit durften schließlich Stream Of Passion die Bühne betreten. Nachdem es sich dabei um eine Art Heimspiel für die Musiker handelte, wurde ihr Auftritt entsprechend gefeiert. Der fiel recht feurig aus, was selbstverständlich an der Performance von Frontfrau Marcela Bovio lag, aber auch an dem wilden Gebahren von Bassist Johan van Stratum. Generell schien die Band sichtlich viel Spaß an ihrem Spiel zu haben. 

Lisette van den Berg (Scarlet Stories).
Neben den Auftritten im Großen Saal war der kleine auch an diesem Tag stark besucht, was ein Hineinkommen oft nicht möglich machte. Ein besonderes Highlight hier war der ungewöhnliche Auftritt von Scarlet Stories. Die Band, die zunächst als Duo bestehend aus Lisette van den Berg (an dieser Stelle bereits zum dritten Mal auf der Bühne) und Bram te Kamp gestartet hatte, brachte mystischen Flair ins Effennaar und tiefgründige Texte, die teilweise kohärent zur Steenhorst-Show waren. Auch hier spielte die Natur eine Rolle. 


Anneke van Giersbergen (The Gentle Storm).
Mit The Gentle Storm folgte um 19.00 Uhr ein weiteres Highlight auf der Mainstage. Das bereits zweite Projekt von Arjen Lucassen an diesem Abend überzeugte auf ganzer Linie. Allen voran mit einer Anneke van Giersbergen, deren Lächeln und Stimme das Publikum deutlich begeisterten und einer von passender Musik getragenen tragischen Geschichte, die es wusste, die Armhärchen zum Stehen zu bringen. Darüber hinaus lieferten die bereits bekannten Gesichter von Stream of Passion auch hier eine gekonnte Performance - Johan erneut bewegungswütig und Marcela mit einer Stimme und Darbietung, die perfekt mit Giersbergen harmonierte. Weitere Bandmitglieder wie Gitarristin Merel Bechtold glänzten ebenfalls durch beherzten Einsatz. 

Chiara Malvestiti (Therion).
Nach einem für uns eher mittelmäßigen Auftritt von Tristania kam um 22.00 Uhr die Stunde des von vielen heißersehnten Headliners Therion. Völlig zu recht, wie sich bereits in den ersten Sekunden nach Erstürmung der Bühne herausstellen sollte. Da ich selbst den absoluten Klassiker noch nie live gesehen hatte und von der Musik auf CD mittelmäßig angesprochen war, war der Act die Überraschung des Abends. Die kam in Form von sieben Musiker, die zunächst mal durch ihre Optik, im Anschluss aber durch eine gelungene Bühnenshow auffielen. Die war geprägt von Dynamik, es gab zu jeder Zeit Bewegung und etwas zu gucken - in immer anderen Konstellationen. Dabei kam die bombastische Musik in keinem Fall zu kurz, die Setlist strotzte vor begeisternden Abgehnummern, bezog aber auch dramatisch-ruhigere Töne mit ein. Durchwegs Aufregend! 
Thomas und Lynnéa Vikström (Therion).
Alles zusammen genommen war das Female Metal Event auch in diesem Jahr wieder sehr gelungen, darüber hinaus ein größerer Erfolg, was die Teilnehmerzahl anbelangt. Von der erhofft man sich, dass sie im nächsten Jahr nochmal ansteigt. Das dritte FemME wird dann etwas früher, aber erneut an zwei Tagen stattfinden, nämlich am 23. und 24.09.2016. Ab dann wird Dekkers überdies von JBM Events und den vielen bereits bekannten Phil (van Helsing) unterstützt werden, wir sind gespannt!
Bis dahin kann sich auch in diesem Jahr wieder mit einer DVD bis zum nächsten Mal die Zeit vertrieben oder das versäumte Festival nachgeholt werden. Denn unter der Regie von Tom de Wit (Layered Reality Productions) wurde erneut gefilmt, was in Kürze käuflich zu erwerben sein wird. 

Unsere vor Ort geführten Video-Interviews und die Konzertberichte mit vielen Fotos folgen in Kürze!



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