Freitag, 29. April 2016

Review: Burden of Life - In Cycles

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„Fast and Curious – New Album. Original Parts.“

Getreu diesem Motto erscheint heute das vierte Studioalbum der etwas abseitigen Melodic-Death-Metaler von Burden of Life.
 
Schon der Opener „Amour Fou“ macht deutlich, wohin die abenteuerliche Reise geht und ließ mich zunächst zweifeln, ob ich das richtige Album eingelegt hatte. Es gibt wohl nicht viele Bands, die gleich zu Beginn eine Duett-Ballade bringen, wobei an selbiger auch direkt eine Gastsängerin beteiligt ist: Klara Truong, die nahezu perfekt mit Sänger Christian Kötterl harmoniert. Die Kombi erinnert an ein Maaya
Sakamoto und Steve Conte Duett, sehr ansprechend, dabei in sich gesteigert, insbesondere Kötterl dreht nach hinten hin ordentlich auf und lässt Gedanken zu wie "Verdammte Sch*: DER kann singen!". Dieser Eindruck wird von der Musik leider nur bedingt unterstützt, man hätte sich zum aussagekräftigen Titel „Amour Fou“ noch ein bisschen mehr "Ausrasten" gewünscht, insbesondere von einer Band wie Burden of Life. Dieser Eindruck wird aber an anderer Stelle revidiert und es handelt sich definitiv um einen ungewöhnlich starken Opener.
 
Es folgt die Musikvideo-Nummer „In Cycles“, die mit konventionellerer Härte aufwartet und einen recht guten Eindruck den Rest des Albums betreffend vermittelt. Knallharter Metal, gemischt mit melodiösen Power-Elementen und einem Chor-Refrain. Generell dominiert der Kontrast zwischen harten Riffings und Shouts und Grunts, als würde Kötterl sich die Seele aus dem Leib erbrechen mit teils ausgiebigen, teils eher ruhigen Orchester- und Akustik-Parts. Und dabei leistet er einen sehr guten Job, ob er nun grunzt, schreit, keift, flüstert, ausrastet, stirbt, tötet oder zur Abwechslung singt.
 
Die stärksten Songs sind „Devil In Detox“, „52 Hz“, „Lantern Slides“ und „At the Heart of Infinity“. „Lantern Slides“ ist ein atmosphärisches Meisterstück, das eine perfekte Mischung aus Shouts und wunderschönem Gesang bietet, darüber tolle Instrumentenparts inklusive Gitarrensolo, die auch bei den ruhigeren Passagen begeistern und mit Kleinigkeiten wie einer schönen Lead-Violine und Xylophon-Parts überrascht – ein perfekter, stimmiger Aufbau von vorne bis hinten! Den Abschluss bildet die zwölfeinhalb Minuten starke Emotionsbombe „At the Heart of Infinity“, die nochmal alle Vorzüge des Albums in sich vereint. Dazu kommt eine Menge Chaos und ein an Parodie grenzender „Lala-Part“, der ein Beispiel für die Fähigkeit der Band ist, immer wieder zu überraschen und dafür zu Sorgen, dass der Hörer sich vielleicht auch ein Grinsen nicht verkneifen kann.
 

Musikalisch weist „In Cycles“  da- rüber hinaus Parallelen zu Dark Tranquillity oder Insomnium auf, geht dann wieder Richtung Dark Moor und ist am Ende doch ganz eigen und kreativ. Musikalisch ausgiebig zelebrie- rend, voller Instrumentenvielfalt und inklusive Geräuschkulisse bestehend aus Wind, Wellen oder Alarm, nicht zu vergessen ein Gastsolo von Jan Jansohn (All Will Know).
 
Trotz all dieser verschiedenen Stilrichtungen und –mittel mit teilweise sehr progressivem Charakter, bleibt das Album 100% Burden of Life, darüber hinaus meint man teilweise ein atmosphärisches Thema herauszuhören, welches sehr gut zur Thematik des Titelsongs passt. An manchen Stellen ist mir das Album aber schon fast zu melancholisch, etwa wenn die klassischen Instrumente zu sehr runter gefahren werden, hier liegt noch mehr Potential. Die Auswüchse sind an anderen Stellen wieder so krass, dass das Hörvergnügen von zu viel Progressivität, Geknüppel und Gegrunze gestört wird, man muss das lieben.
 
Am Ende überwiegt aber eindeutig das Positive: Die Jungs haben sich textlich definitiv viel (aus)gedacht und nichts geringeres als musikalischen Wahnsinn für die Ewigkeit festgehalten – eine insgesamt stimmige Sache. So erweisen sich Burden of Life mit "In Cycles" als ambitionierte Raser, die zwar über kürzere Strecken mit angezogener Handbremse unterwegs zu sein scheinen, aber am Ende gekonnt ins Ziel driften!

Tracklist:
1. Amour Fou
2. In Cycles
3. Devil In the Detox
4. 52 Hz
5. Kafakesque
6. The Narcissist
7. Lantern Slides
8. At the Heart of Infinity

Anspieltipps: 1, 7, 8

Bewertung: 12/15 Gut!
 

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