Freitag, 12. Juli 2019

160 Jahre, Tag 2.1: Seniorennachmittag (29.06.2019, 14:30 Uhr)

Horrido! 
- Eine gelungene Veranstaltung

Der Samstag des Jubiläumswochenendes von SC Harsum und Fanfarenzug Luiersburg Harsum begann mit dem Seniorennachmittag, welcher um halb drei von der Gemeinde Harsum veranstaltet wurde. Im Gegensatz zu vergangenen Veranstaltungen solcher Art war das Festzelt an diesem Nachmittag schlechter besucht, was allerdings, wie sowohl Anwesende als auch Ferngebliebene berichteten, nicht mangelndem Interesse, sondern den heißen Temperaturen geschuldet war, was in dem Zelt noch einmal stärker zu spüren war. Wie von der Gemeinde nicht anders gewohnt, gab es allerdings Kaffee und eine bunte Auswahl an Kuchen für die geladenen Senioren sowie ein nicht weniger abwechslungsreiches Programm.


Hauptteil davon war der Spielannszug Horrido aus Salzgitter, der auch den offiziellen Teil des Seniorennachmittages eröffnete. Dafür zogen die sieben Spielleute, bestehend aus drei Querflötistinnen, drei Trommlern (unter denen ein kleiner Junge war) und einem Beckenspieler in ihrer Paradeuniform musizierend ins Zelt ein und spielten zunächst den Klassiker "Puppet On a String".



Auf dieses erste Stück folgte die Begrüßungsrede vom Ortsrat Harsum, vertreten durch die 2. stellvertretende Ortsbürgermeisterin Monika Neumann und den 1. stellvertretenden Ortsbürgermeister Michael Wedig - da es für Marianne und Michael leider nicht reichte, wie Michael scherzte. Die beiden wechselten sich bei ihrer Rede ab, was mit Sicherheit die ein oder andere Assoziation mit der Grünenspitze hervorrief, in Konsequenz aber vor allem erfrischend war. 
Zunächst wurden die Jubiliare begrüßt, namentlich genannt Henning Licht (2. Vorsitzender des SC Harsum) und seine Frau Bärbel sowie Ingo Mausolf (1. Vorsitzender des Fanfarenzuges). Anschließend führte Monika durch das Programm, woraufhin die beiden Politiker über aktuelle Projekte des Harsumer Ortsrats informierten. Michael berichtete über den Abriss des alten Toilettentraktes der Harsumer Grundschule, welcher durch ein Domizil für die Jugendpflege ersetzt sowie ein barrierefreier und mietbarer Ortsgemeinschaftsraum werden soll. Die Entstehung eines neuen renovierten Raumes für den Fanfarenszug Luiersburg in der so frei gewordenen ehemaligen Küche der Volksschule wurde ebenfalls angekündigt. Da laut Aussage ihres Kollegen näher am Thema "Friedhof" dran, übernahm Monika selbiges. In naher Zukunft soll es auf dem Harsumer Friedhof eine neue Bestattungsform geben: die Baumbestattung. Außerdem soll auch hier eine neue barrierefreie WC-Anlage gebaut werden. Als weiteres wichtiges Thema wurde die Lichtzeichenanlage auf der Kaiserstraße vorgebracht, wobei eine sichere Überquerungshilfe zwischen Elisabeths- und Bernwardsheim gegen den Widerstand der Verkehrskomission und unter Voraussetzung der Verwendung eigener Mittel durchgesetzt wurde. Hierauf folgte lauter Applaus und es wurde erneut an den Spielmannszug Horrido übergeben.


Bei ihrem zweiten Set spielten Horrido ohne Kopfbedeckung und für zehn statt ursprünglich geplanten 20 Minuten, was den erhöten Temperaturen geschuldet war, die den Musikern zu schaffen machten, was der Performance aber keinen Abbruch tat. Allein der traditionelle Einstiegsruf des Spielmannszugs entsprach ganz dem Namen und strahlte viel Energie aus. Die Songauswahl war diesmal vorwiegend klassisch, darunter auch alte Volkslieder wie "Muss I denn zum Städtele hinaus" , was den ein oder anderen der Gäste zum Mitsingen animierte, enthalten waren aber auch anders geartete Stimmungsnummern, die selbst Tanzchoreografien enthielten.
Unterbrochen wurde das Spiel von einer Erinnerungstafel des Fanfarenzuges Luiersburg, welche mit warmen Worten vom 2. Vorsitzenden Carsten Domke von Ingo Mausolf überreicht wurde.


Hierauf folgte ein längerer Vortrag von Gert Schütte. Der ehemalige Kreisheimatpfleger brachte seinen Beitrag zur Geschichte der beiden Jubiläumsvereine, wie auch vorwiegend zum Thema "Ein erfolgreiches Vereinsleben" und zur Dorfgeschichte im Allgemeinen, mit sicht- und hörbarer Leidenschaft hervor, wobei unter den Anwesenden, was die jüngere Geschichte betraf, noch Zeitzeugen waren, weshalb in seinem Vortrag auch viele Namen fielen. 
"Die Fußballer des SC Harsum erreichten Mitte der 30er Jahre als Meister der Staffel Braunschweig die Aufstiegsrunde zur höchsten deutschen Spielklasse - damals war das die Gauliga" war wohl einer der Sätze, der den Anwesenden des SC Harsum, zu denen sich an dieser Stelle auch Vereinsvorsitzender Alois Wirries gesellt hatte, gefallen haben dürfte, war er doch ein Beispiel für die erfolgreiche Vergangenheit des Vereins, die sie bis zu Spielen vor 4000 Zuschauern auf dem Fußballplatz in der Förster Straße und einem Match gegen die amerikanischen Weltmeister geführt habe, die direkt aus Bombay eingeflogen worden seien. Schütte zitierte die damalige Sportpresse: "Wie eine Rakete hatte der SC-H hintereinander etliche Aufstiege geschafft, ganz unten aus der A-Klasse bis hinauf zur Oberliga". Zur damaligen Zeit hätten auch zahlreiche Wassereimer für die Spieler beim heutigen Waldgasthaus Zum Kuckuck bereit gestanden. 
Schütte, der sich selbst zum Ziel gesetzt hatte, etwas Spannendes aus der Geschichte Harsums zu berichten, wünschte den Jubiliaren abschließend alles Gute und verließ den Rednerpult. Nichtahnend, dass er direkt daran zurückgerufen werden sollte. 


Denn auf seinen Beitrag folgte eine kleine Ehrung für seine Verdienste als Kreisheimatpfleger. Dabei wurde ihm für seine Arbeit gedankt ("Ich finds faszinierend, wie in so einen Menschen, in so einen Kopf so viel Material reinpasst!")  und ein Geschenkkorb mit Harsumer Produkten ("zur Stärkung, damit er uns noch lange erhalten bleibt") überreicht. Daraufhin konnte er nicht widerstehen, direkt nach dem Harzer Käse zu fragen und im Anschluss noch auf drei Großveranstaltungen, darunter 125 Jahre MTV Harsum und 1000 Jahre Harsum, in den kommenden Jahren aufmerksam zu machen und die Nichtanwesenden aufgrund von Krankheit oder Hitze zu grüßen, was mit einem entsprechenden Applaus honoriert wurde.


Nach dem eher klassischen Part wurde es im abschließenden dritten Set des Spielmannszuges Salzgitter etwas unkonventioneller, was sowohl die Songauswahl als auch die Präsentationsweise betraf, wobei sie zu sechst antraten (das jüngste Mitglied pausierte). Sie starteten mit einer Choreografie zu "The Lion Sleeps Tonight" und setzten fort mit der treibenden Melodie von "Moskau" inklusive russisch anmutender Steppschritte der Frauen und einem mutigen Stück angelehnt an Musik der amerikanischen Ureinwohner mit folkloristischer Gesangseinlage einer Flötistin sowie gemeinschaftlichen "Indianergeheul" und Herumlaufen. Sie steigerten sich also an Intensität Song für Song, was schließlich in der Zerstörung eines Teils des Zeltbodens mündete. Es folgte ein Medley aus bekannten Schlagernummern und ein weiteres Medley mit bekannten Kinderlieder, Trink- und Stadionnummern. Abmarschiert wurde schließlich zu keinem geringeren Song als dem Titellied der Gummibärenbande - spitzenmäßig!

Insgesamt überzeugte die Formation auf ganzer Linie sowohl mit einer ansprechenden Songauswahl, als auch mit einer Mischung aus traditionellen und modernen bis hin zu unkonventionellen Elementen. Dabei wurde die Stimmung im Laufe der Stücke immer besser - man hatte sich wohl auch allseits an die tropische Zeltluft gewöhnt. Zudem war das Konzept aus männlicher Rhythmusfraktion und weiblichen Melodikern auch optisch ein echter Hingucker. An diesem Tag überzeugte der Spielmannszug Salzgitter sowohl mit seiner Musik als auch mit einem im Allgemeinen sympathischen Auftreten - Horrido!

 
Der offene "Ausklang" folgte passenderweise im Anschluss.


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