Dienstag, 21. März 2017

Review: Watch Out Stampede - SVTVNIC


by Schorsch
 
Prämisse:
Lisa von Realisart! bat mich, die neue Platte von WATCH OUT STAMPEDE genauer unter die Lupe zu nehmen. Das Genre: Post-Hardcore… Schnarch… Aber gut, was tut man nicht alles für Freunde. Mal schauen, was mich hier erwartet, bei einem Genre, das in den letzten Jahren so dermaßen tot gebreakdownt wurde…

Der erste Eindruck:
Es ist Montagmorgen. Die Sonne lacht und ich befinde mich wie es sich für einen solchen Zeitpunkt gebührt, entnervt auf dem Weg zur Arbeit. An der Bushaltestelle angekommen, entschließe ich mich, nach Überwindung, die Platte anzumachen.
BUMM!!
Da schreit mich Herr Hildebrandt an, als hätte er meine Vorurteile gehört! Nachdem ich mich gefangen habe, und eingegroovt habe, kommt auch schon der Bus. Der Fahrer fragt mich nach der Fahrkarte und voller moshendem Enthusiasmus werfe ich ihm mein Portemonnaie ins Gesicht und prügle mich weiter durch den Bus. Da er irgendwie nicht losfahren will, mache ich mich zu Fuß auf den Weg, gröle die eingängigen Chorusse auf der Straße mit und bewege mich mit Spin-Kicks zur Arbeit...


Ins Detail:
So oder so ähnlich muss es sich zugetragen haben. Ich bin wahrlich kein großer Fan des Genres, aber was WATCH OUT STAMPEDE hier vorlegen, macht einfach Spaß. Bei jedem Song mag ich grooven, springen, Leuten ins Gesicht boxen, ABER ihnen danach ein Bier ausgeben und mit ihnen die Songs grölen. Woran das liegt, lässt sich schwer erklären. Es groovt, die Breaks kommen an den richtigen Stellen und man hat die Song-Strukturen schnell gecheckt, um sich ganz aufs moshen/tanzen/bangen/mitfeiern konzentrieren zu können. Eine sehr postitve Form der Eingängigkeit wird geboten.

Die Produktion ist klasse, die Snare-Drum knallt schön und selbst den Bass hört man, was bei Metal/Hardcore ja nicht unbedingt Pflicht ist.

"Sharks" ist ein großartiger Opener, ohne große Umschweife geht’s sofort zur Sache, wobei hier ein kleiner Kritikpunkt liegt. Mir fehlt das WATCHOUT, bevor mir die STAMPEDE ins Ohr rast. Der Song beginnt mit Akzenten und Andreas Hildebrandt begrüßt uns mit herrlich angepisstem Gekeife. Die Doublebass-Walze beginnt und Tolga Özer schafft es mit simplem, aber bestimmtem Drumming das Ganze zum Grooven zu bringen. Der Refrain erinnert an Killswitch Engage mit epischen Gesang seitens Dennis Landts.

"Fingers Crossed" basiert auf einem coolen Viertel-Triolen-Groove, und beginnt im Half-Time. Der Breakdown basiert auf einem ähnlichen Groove und entspricht von daher nicht ganz den klassischen Sechzehntel-Ketten-Grooves, was mir sehr zusagt. Besonders gut gefällt mir hier der Chorus, indem Landt seine Kopfstimme zum Einsatz bringt ohne dabei nach jaulendem Kojoten zu klingen.

Die Single "Paper Hearts" ist clever gewählt und ist ein absolut repräsentatives Stück für die gesamte Platte. Hildebrandt schreit hysterisch und phrasiert seinen Text mit eigenständiger Rhythmik. Der Refrain wird sehr schön mit einem dynamischen Drop eingeleitet, nur um dann weiter zu brettern. Landt beweist im Chorus einmal mehr seine melodischen Fähigkeiten. Nach dem zweiten Vers folgt ein Break, und die Gitarre greift die Hook aus dem Intro auf, um in einen richtig coolen Breakdown überzugehen, der wie auch schon bei "Fingers Crossed" auf mich nicht generisch wirkt. Das Outro wechselt zwischen Half-Time und Full-Time hin und her und klingt mit schönen Arpeggios auf der Gitarre, Streichern und einem geilen Groove zwischen Stefan Poggensee am Bass und Tolga Özer an den Drums aus. Der Song ist für mich der dynamischste und abwechslungsreichste Song der Platte.

Kritik-Punkte:
Als CD-Hörer alter Schule hab ich es total gerne, wenn in dem Booklet so viele Infos wie möglich stehen. Die Namen der Mitglieder kenne ich nur aus der Presse-Mitteilung.
Allgemein finde ich die Platte mit 35:29 Minuten ziemlich kurz. Die Songs sind sich aber alle recht ähnlich, dadurch ist die Länge der Platte für mich dann doch ganz ok. Spätestens nach dem fünften Durchgang ist man nämlich ziemlich satt. Von daher empfehle ich, die Platte in Dosen zu genießen. 

Fazit:
Ich muss nochmal betonen, dass ich kein Fachmann in dem Genre bin. Für mich haben WATCH OUT STAMPEDE das Rad nicht neu erfunden, aber es rollt solide und macht die ersten paar Durchgänge echt Spaß und "SVTVNIC" wird bestimmt bei der ein oder anderen Party mal angemacht werden. 

Ich fühl mich ein wenig hin-und hergerissen. Beim ersten Eindruck hätte ich der Platte 11/15 gegeben, nach mehrmaligem Anhören eher 9/15. Da ich aber nicht wirklich in dem Genre drin bin, und WATCH OUT STAMPEDE meinen Tag gerettet haben, gebe ich 10/15 Punkten.


Tracklist: 
1. Sharks
2. Feather
3. H.A.T.E.
4. Guacamole Takeover
5. Fingers Crossed
6. Paper Hearts
7. SVTVNIC
8. The Last Walk
9. Wires
10. Solaris 

Bewertung: 10/15 Gut.
 
Persönliche Anmerkung:
Weil die Busfahrer mich nicht mehr mitnehmen wollen, wäre es klasse, irgendwie an das Rezept aus GUACAMOLE TAKEOVER zu kommen, um den Fahrern ein Friedensangebot zu machen.

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