Montag, 28. Dezember 2015

Festival-Bericht: Metal Christmas 2015


"Advent, Advent, ein Inferno brennt!"

Und zwar beim vorab angekündigten Metal Christmas im Forum Bielefeld am 20.12.2015
Vor Ort herrschte ein zwei-Bühnen-System, das dafür sorgte, dass der Zuschauer so gut wie keine Wartezeiten hatte, da beide Bühnen im Wechsel bespielt wurden und der Soundcheck bereits in die Spielzeit des Vorgängers fiel. Tatsächlich veranlasste das viele Leute dazu, den Konzertsaal gar nicht erst zu verlassen, sondern sich nahezu alle Bands anzugucken.
Techniker Holger Holsch bei der Arbeit.
Von denen gab es in diesem Jahr besonders viele aus der härteren Fraktion, besonders in der ersten Hälfte der Veranstaltung wurde viel Geknüppelt. Was für meinen Geschmack eher weniger ansprechend war, schien dem Publikum umso mehr zu gefallen, denn der Laden war durchwegs sehr gut gefüllt. Umso besser, dass die kleinere Bühne in diesem Jahr drastisch erhöht wurde, wodurch man auch von den hinteren Plätzen gut sehen konnte - Hier wurde eine eindeutige Verbesserung vorgenommen! 

Nach dem Auftritt von Lantlôs, der wohl eher die depressiven Seelen anzusprechen vermochte, aber dennoch Massen zur Bühne zog, kam das erste Highlight des Tages mit dem Auftritt von All Will Know. Selbigen gelang es auf ihre gewohnt wirkungsvolle Weise die Menge sowohl mit technisch ausgereiftem, mitreißendem Metal als auch mit ihrer sympathischen Art zu begeistern, die ebenfalls in humorösen Ansagen von Sänger und Shouter Frank Richter mündete, der mit Sprüchen wie "Findet ihr es erotisch, wenn ich so von hinten angetanzt werde?" auf die Aktion seines Bandkollegen Steffen Henneberger (Gitarre), genannt Steffi das Einhorn, reagierte. Diese ansprechende Kombination hatte neben Sympathie auch Circle und Mosh Pits zur Folge - "Es läuft!". 
Zu guter letzt wurde dann noch über das Publikum hinweg zur großen Bühne Kontakt aufgenommen, wo Soulbound sich gerade auf ihren Auftritt vorbereiteten, den weder All Will Know noch der Rest des Publikums zu verpassen gedachten. Das konnte man auch niemanden raten, denn die Gastgeber lieferten hier trotz des Stresses, den das Veranstalten eines Festivals zweifellos mit sich bringt, einen gekonnten Auftritt ab. Das galt sowohl für die leidenschaftlichen Saiten-Streicher und Trommel-Schläger als auch für Sänger Johnny Stecker, dessen Stimme besonders in der ersten Zugabe glänzte wie ein polierter Penny und dementsprechend voll zur Geltung kam. 
Selbige kam aufgrund der andauernden lauten Rufe des Publikums zu Stande, das zu einem großen Teil aus Fans der Band und sogar Statisten im aktuellen Musikvideo bestand, und lieferte ebenfalls ein geiles Gitarrensolo beim letzten Song. Bereichert wurde der Auftritt außerdem von dem Gastauftritt von Larissa Rieke, die vielen bereits als Sängerin von Summery Mind bekannt sein dürfte (die Band war neben Hexa ebenfalls an der Organisation beteiligt), und ein Geburtstagsständchen für das Geburtstagskind Johnny. Dem weihnachtlichen Anlass entsprechend wurde zudem noch auf die neue Single aufmerksam gemacht, deren Erlös an die Unterstützung einer Siedlung in Indien geht, der die erzwungene Auflösung droht. 
Mit Torian wurde es auf der kleineren Bühne im Anschluss nochmal klassisch - und zwar in einem unvorhersehbaren Sinne, denn die Power Metaler liefen zu einem traditionellen Weihnachtslied auf. Das zog sich fast ein bisschen zu lange hin, man wurde aber mit einem erstaunlich guten Metalstart ausreichend entschädigt. Die Formation konnte so gleich zu Beginn überzeugen und legte einen ansprechenden, teilweise schrillen Auftritt hin, der eine sehr gute Ergänzung zu den zahlreichen moderneren Bands darstellte. 

Excrementory Grindfuckers in Aktion.
Eine weitere davon war der Headliner Excrementory Grindfuckers, die ich bereits beim diesjährigen Wacken Open Air bewusst gemieden hatte. Die Band ist eine jeder Erscheinungen, die definitiv polarisiert, vereint sie doch die Atrribute Cover, "Grindcoretanzmusik" und Wahnsinn auf sehr anschauliche Art und Weise. Dabei muss man der Band selbst als Skeptiker lassen, dass sie die Massen gegen Ende hin nochmal ordentlich motiviert hat und die Songauswahl alles andere als verkehrt war. Zu Liedern wie "Final Countdown" oder einer Hommage an David Hasselhoff kann man eigentlich nur mit dem Fuß stampfen - ob gewollt oder nicht. Rechnet man dann noch die augenzwinkernde Hardcore-Version von "Kling Glöckchen" hinzu, ist der Schritt zur Sympathie schnell gemacht. 
Besucher des Metal Christmas.
Auf jeden Fall wurde deutlich: auch solche Spaßbands haben ihre Daseinsberechtigung und es schadet der Festivalstimmung keinesfalls einen solchen Auftritt als humorösen Abschluss zu setzen. 

Bemerkenswert an Metal Christmas 2015 war nicht nur die erneut gute Stimmung, sondern auch das allgemeine Interesse an der Musik. Das Line-Up, das vor allem genretreue Metalfans angesprochen haben dürfte, versammelte viele offene Leute, die sich das Festival tatsächlich von vorne bis hinten ansahen - etwas das vom Veranstalter eindeutig als positiv hervorgehoben wurde. Darüber hinaus gab es auch was fürs Auge, wenn diese auf Überraschungen wie zwei Weihnachtsmädchen oder ein Pikachu trafen und auch die Bar bot neben einer guten Auswahl an Getränken noch viele Knabbereien.

All Will Know und Company im Festival-Shirt.

Zum zweiten Mal in Folge konnte ich nun also Zeuge eines gut organisierten und stimmungsvollen Festivals werden, das man so nur weiterempfehlen kann! 

Line-Up:
18.00-18.30 Mata Leao (Metal/Groovecore)
18.30-19.00 Horseman (Hardcore Metal)
19.00-19.30 Necrotted (Death Metal/Deathcore) 
19.30-20.00 Hexa (Metal/Hardcore)
20.00-21.00  Lantlôs (Alternative Metal/Post-Rock/Post-Black Metal)
21.00-21.30 All Will Know (Modern Metal/Melodic Death/Metalcore)
21.30-22.30 Soulbound (Alternative Metal)
22.30-23.00 Torian (Power Metal)
23.00-0.00 Excrementory Grindfuckers (Grindcoretanzmusik)

(Weitere Fotos, sowie ein Video-Interview mit All Will Know in Kürze!)

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